Definition

Als Rechenschwächen (auch Rechenstörung, Dyskalkulie oder Arithmasthenie) werden Abstraktionsdefizite im elementaren Zahlen- und Operationsverständnis bezeichnet. Bei Rechenschwächen handelt es sich um keinen Mangel an Intelligenz, an Begabung oder um die generell mangelnde Fähigkeit zum logischen Denken. Mit Rechenschwächen wird ein auf das mathematische Lernen mangelndes sachlogisches Verständnis beschrieben. Dabei sind die Zahlen als Repräsentanten abstrakter Mengen und deren quantitative Relationen zu anderen Zahlen sowie die Rechenoperationen unverstanden. Aus dem Mangel grundlegender mathematischer Kenntnisse und Fertigkeiten resultieren spezifische mathematische Wissensdefizite und anhaltende Minderleistungen beim schulischen und alltagspraktischen Rechnen.

Die "Rechenstörung" wird in der Klassifikation ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschrieben, wobei danach eine deutliche Abweichung der Rechenleistungen von der "allgemeinen Intelligenz" festzustellen sein muss. Die neuere pädagogische und fachdidaktische Forschung wendet sich gegen diese Definition einer Diskrepanz zwischen den mathematischen und den sonstigen Leistungen. Rechenschwächen, deren Genese, Erscheinungsformen und Auswirkungen folgen demnach einer eigenen Sachlogik. So wirken sich die jahrelangen Misserfolge im Rechnen als einem der zentralen schulischen und kulturellen Lerngebiete in der Regel auf die Leistungen im nicht-mathematischen Bereich aus. Die Pädagogik spricht hier vom "Teufelskreis der Lernstörung", dessen Auswirkungen über Misserfolgsorientierung und Versagensängsten, Mathe-Angst und Schulunlust bis hin zu pathologischen Persönlichkeitsentwicklungen reichen können.

Nach den jüngsten empirischen Untersuchungen muss bei 22 % der Schulkinder im zweiten Schuljahr von einem rudimentären bis mangelnden elementaren Zahl- und Operationsverständnis ausgegangen werden. Andere Untersuchungen benennen 6 % der Schulkinder als massiv rechenschwach.

Die Folgen der elementaren Wissensdefizite sind erheblich. Ohne Einsicht in die elementare mathematische Logik können weder die darauf aufbauende Arithmetik noch die weiteren sachlogisch folgenden Inhalte der Mathematik verstanden werden. Die Wissensdefizite müssen kumulieren. Rechenschwächen wachsen sich nicht aus. Aus rechenschwachen Kindern werden Jugendliche und Erwachsene mit Dyskalkulie. Die Auswirkungen der Rechenschwäche auf die Lebensplanung und -gestaltung sind gravierend. Wer nicht rechnen kann, beherrscht eine der wichtigsten Kulturtechniken nicht. Ohne elementar mathematische Einsichten ist nicht nur eine erfolgreiche Bewältigung der Schul- und Berufsausbildung in Frage gestellt. Auch in der täglichen Praxis des Umgangs mit Geld-, Zeit-, Längen- und Gewichtsmaßen ist das mangelnde Verständnis im Umgang mit Mengen und Zahlen ein großes Handicap. Neben den Einschränkungen in der beruflichen Planung führen Rechenschwächen in vielen Fällen zu nachhaltigen Beeinträchtigungen der seelischen Gesundheit.

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